AZ, 12.10.2010

Nachwuchs an Leseratten und Bücherwürmern ist gesichert

Dinkelscherben Mit einer großen Abschlussparty ging vergangenen Freitag der Sommerferien-Leseclub „Lesen was geht“ in Dinkelscherben zu Ende. Das bayernweite Projekt - zum zweiten Mal in Dinkelscherben - soll Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren für das Lesen, auch in den Ferien, begeistern.

Von Michael Kalb

Rund 70 Teilnehmer im Zeitraum der Aktion vom 19. Juli bis 24. September haben über 500 Bücher gelesen. Zu jedem Buch mussten die Kinder eine Bewertungskarte ausfüllen, mit denen sie bei der großen Abschlussfeier an einer Verlosung teilnahmen.

Ungefähr 40 Kinder hatten sich im Pfarrsaal Dinkelscherben versammelt, und Büchereileiter Dieter Mittermeier sowie Bürgermeister Peter Baumeister und Pfarrer Herbert Gugler begrüßten den Nachwuchs. Dann führten die Büchereimitarbeiterinnen Theresa Viertel und Anna Klein durch die Veranstaltung. David und Franziska Gleich sorgten mit ihrer Hilfe im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Bei der anschließenden Urkundenverleihung durfte sich fast jedes Kind ein Exemplar abholen - drei gelesene Bücher waren hierfür nötig.

Dann kam die heiß erwartete Verlosung der Hauptpreise. Dieses Jahr handelte es sich dabei um jeweils zwei Karten für einen Besuch bei den Bavaria-Filmstudios in München, über die sich nun drei Leseratten freuen dürfen. Leer ausgehen sollte aber niemand. So wurden der Reihe nach die über 50 Allgemeinpreise verlost, die wieder von den regionalen Gewerbetreibenden zur Verfügung gestellt wurden. Als wahre Leseasse entpuppten sich wieder die Meistleser: Anton Höfer (16 Bücher), Franca-Raffaela Aumann (39 Bücher) und Samuel Fahrner (42 Bücher) haben ein beinahe unglaubliches Pensum abgeliefert.

AZ, 07.10.2009

Die Hand im Bücherregal, den Kopf voller Abenteuer

Dieter Mittermeier arbeitet seit 60 Jahren in der Bibliothek der Gemeinde Dinkelscherben. Dafür erhält er die Sonder-Silberdistel unserer Zeitung und ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Von Karin Seibold

Am Anfang war ein Regal. Die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand standen darin, Sven Hedins Reiseberichte aus Asien und die Ubique-Terrarum-Romane von Herbert Kranz. 1341 Ausleihungen vermerkte die Bücherei Dinkelscherben (Kreis Augsburg) im Jahr 1949. Ein paar Dutzend davon gingen schon damals auf das Konto von Dieter Mittermeier.
Der Bub, grade mal sieben Jahre alt, verschlang die Geschichten mit seinen Augen. Seite um Seite fieberte er mit den Pfadfindern in den Spurbüchern und reiste in seinen Gedanken mit „Nonni“ von Jon Svensson durch Island. Und er begann, gerade mal groß genug, um ohne Schemel bis zum vorletzten Regalbrett hochfassen zu können, ehrenamtlich in der Bücherei mitzuhelfen.
„Lesen hat mir schon immer Spaß gemacht“, sagt Dieter Mittermeier heute. Fast 60 Jahre, nachdem er zum ersten Mal einen Buchtitel und den Namen des Ausleihers in ein Notizheft gekritzelt hat, sitzt er wieder zwischen den Regalen.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang leitet er die Gemeindebücherei Dinkelscherben mittlerweile schon – zur Zentrale gehören heute Ausleihen in der örtlichen Schule, in Grünenbaindt und Ried sowie die Pfarrbüchereien in Oberschöneberg und Häder.
Ein Bekannter hat ihn deshalb für unsere Aktion „Helden des Alltags“ vorgeschlagen, und auch die Jury der Aktion, bestehend aus Redaktionsmitgliedern, war von dem jahrelangen ehrenamtlichen Engagement des ehemaligen Geschäftsführers der Sozialstation Zusmarshausen beeindruckt. Deshalb zeichnet unsere Zeitung Dieter Mittermeier mit der Sonder-Silberdistel aus, die heuer zum ersten Mal verliehen wird, und empfiehlt ihn als Kandidaten für die bundesweite Kampagne „Geben Gibt“, die im Dezember in Berlin zum ersten Mal den Deutschen Engagementpreis verleiht.
„Ich hab’s einfach nie geschafft, aufzuhören“, versucht Mittermeier seinen jahrzehntelangen Einsatz zu erklären. Nach seiner Hochzeit und nach der Geburt jedes seiner drei Kinder habe er seiner Frau versprochen, sein Amt abzugeben, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Eingelöst hat er dieses Versprechen nie. „Irgendwie“, sagt er, und schaut die Regale mit den vielen Buchdeckeln entlang, „hab ich das Gefühl, dass ich hierher gehöre.“
Wirklich übel hat ihm seine Frau das nie genommen – sie ist im Frauenbund ehrenamtlich engagiert. Also wurde ein Teil des Familienlebens kurzerhand in die Bücherei verlegt, von klein auf lernten die Kinder die Liebe zum Buch kennen.
Auch die übrigen Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde versucht Mittermeier in den Bann des Lesens zu ziehen: Mit riesigen Stofftieren oder Rätsel-Aktionen zieht er durch die Schulen im Umkreis und veranstaltet dort in Zusammenarbeit mit den Lehrern Lese-Aktionen. Statt der „Spurbücher“ von damals hat er jetzt eben „Die drei Fragezeichen“ im Gepäck, ein paar Pferdebücher für die Mädchen, Fußball-Geschichten für die Buben. „Das Themen-Spektrum ist größer geworden“, sagt er: Zu den Pfadfindern, Piraten und Detektiven haben sich Vampire und Weltraum-Reisende gesellt.
Grundsätzlich, sagt Mittermeier, habe sich das Leseverhalten der Kinder in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert: „Andere Medien werden das Buch nicht verdrängen“, ist er sicher. „Als die Leute plötzlich Fernseher gehabt haben, war es mal ein paar Jahre ruhiger in der Bücherei“, erinnert er sich. Dann aber kamen die Kinder wieder – nach der Schule, der Kirche oder dem Fußballtraining. Weil, mit einem guten Buch und unter einer kuschligen Decke, die Abenteuer direkt im Kopf passieren und den Alltag verschwinden lassen. Und das, sagt Mittermeier, wird auch in Zukunft so bleiben.